Finanzen & Wirtschaft

Bonität verstehen: was ZEK, IKO und der Höchstzinssatz bedeuten

Werkbank in einem kleinen Atelier mit Nähmaschine und Werkzeug

Bonität und Kreditfähigkeit klingen nach derselben Sache, meinen in der Schweiz aber zwei verschiedene Dinge. Bonität beschreibt, wie jemand in der Vergangenheit gezahlt hat. Kreditfähigkeit fragt nach vorn: Trägt das Budget eine Rate, ohne dass das Existenzminimum angetastet wird? Wer eine Nähmaschine, einen Brennofen oder die Ausstattung für ein kleines Atelier finanzieren möchte, trifft auf beide Begriffe — und auf Stellen, die je nach Land anders heissen.

Zwei Register führen hierzulande die einschlägigen Daten. Die Zentralstelle für Kreditinformation, kurz ZEK, sammelt Meldungen der angeschlossenen Institute über Karten, Leasingverträge und Kredite. Daneben steht die Informationsstelle für Konsumkredit, kurz IKO, die das Konsumkreditgesetz in Artikel 23 vorschreibt. Eine Schufa gibt es hier nicht, der Begriff stammt aus Deutschland. Beide Stellen erteilen auf Anfrage Auskunft über die eigenen Einträge, und dieser Blick lohnt sich vor jedem Antrag.

In Deutschland läuft dieselbe Prüfung über die Schufa, und der Kartenmarkt ist dort anders sortiert. Brauchbar am deutschen Beispiel sind vier Kostenblöcke. Übertragen lassen sie sich auch auf Schweizer Angebote: Jahresgebühr, Entgelt für den Einsatz im Ausland, Gebühr für den Bargeldbezug und der Sollzins bei Teilzahlung. Wie ein Vergleichsportal diese Posten nebeneinanderlegt, zeigt kreditkartenvergleich.net. Die dort gelisteten Karten richten sich an Kundinnen und Kunden in Deutschland, die Bonitätsprüfung entsprechend an der deutschen Auskunftei — die Systematik der Kosten bleibt trotzdem dieselbe.

Was das Gesetz bei Kartenkonten verlangt

Räumt ein Kreditkartenunternehmen eine Kreditlimite auf einem Kredit- oder Kundenkartenkonto mit Kreditoption ein, muss es die Kreditfähigkeit vorher prüfen. Verlangt wird allerdings nur eine summarische Prüfung (Quelle: Artikel 30 Konsumkreditgesetz, Stand 2023). Verschlechtern sich die wirtschaftlichen Verhältnisse nachweislich, ist die Prüfung zu wiederholen. Summarisch heisst: weniger tief als beim Barkredit, wo Lohnausweis und Betreibungsregisterauszug auf den Tisch kommen. Diese Abstufung erklärt, warum ein Kartenlimit oft schneller bewilligt wird als ein Kleinkredit über denselben Betrag.

Nicht jeder Vertrag fällt unter dieses Gesetz. Kredite unter 500 und über 80’000 Franken bleiben aussen vor, ebenso grundpfandgesicherte Kredite. Für eine Hypothek gelten andere Regeln: dort zählen die Selbstregulierung der Banken und die Vorgaben zu Eigenmitteln und Amortisation. Bei der typischen Anschaffung im kreativen Bereich liegt der Betrag mitten im Geltungsbereich: Maschine, Werkzeug, Materiallager.

Drei Kartentypen liegen im Portemonnaie oft nebeneinander, und nur einer davon erzeugt Zins. Die Debitkarte bucht jeden Betrag sofort vom Konto ab, ein Rahmen existiert nicht. Auf der Karte mit monatlicher Sammelabrechnung laufen die Umsätze auf und gehen gebündelt zulasten des Kontos; bis dahin gilt ein zinsfreies Zahlungsziel. Erst die Karte mit Kreditoption erlaubt einen stehenden Restsaldo, und genau dort greift der Höchstzinssatz. Als vierte Variante kommt die Prepaid-Karte dazu: Sie wird vorab geladen, deshalb prüft niemand die Kreditfähigkeit.

Drei Begriffe, die oft verwechselt werdenBonitätBlick zurück auf dasbisherige ZahlungsverhaltenKreditfähigkeitBlick nach vorn: trägt dasBudget die Rate?KreditlimiteBetrag, den die Karteim Monat zulässtcreasphere.ch

Der Höchstzinssatz und was er im Alltag kostet

Seit dem 1. Januar 2026 gilt für Kredit- und Kundenkartenkonten mit Kreditoption ein gesetzlicher Höchstzinssatz von 12 Prozent. Für Barkredite, Waren- und Dienstleistungsfinanzierungen sowie Leasing liegt die Grenze bei 10 Prozent (Quelle: Verordnung des EJPD über den Höchstzinssatz, 2026). Der Satz ergibt sich aus einem Referenzzinssatz plus Zuschlag, und das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement überprüft ihn mindestens einmal im Jahr.

Rechenbeispiel mit offen genannten Annahmen: 3’000 Franken Ausstattung, auf dem Kartenkonto stehen gelassen und über zwölf Monate in gleichen Raten abgetragen, 12 Prozent Zins, keine zusätzliche Rückzahlung. Die Rate liegt bei rund 267 Franken, zurück fliessen etwa 3’199 Franken. Knapp 200 Franken Zins also für eine Anschaffung, die bei sofortigem Ausgleich keinen Rappen zusätzlich gekostet hätte.

Die Alternative kostet tatsächlich nichts. Wird der Saldo bei der monatlichen Abrechnung vollständig ausgeglichen, fällt kein Zins an. Die Kreditoption ist eine Einstellung, keine Eigenschaft der Karte — und sie lässt sich bei den meisten Anbietern abschalten. Genau das ist der wirksamste Hebel, den Kartennutzerinnen und Kartennutzer selbst in der Hand haben.

Wofür die Karte in der Schweiz tatsächlich benutzt wird

Mit Schweizer Kreditkarten wurden 2025 im Inland 504,1 Millionen Zahlungen über 33,4 Milliarden Franken ausgelöst, im Schnitt 66 Franken pro Zahlung. Debitkarten kamen im selben Jahr auf 1’690 Millionen Zahlungen über 69,2 Milliarden Franken, also rund 41 Franken pro Vorgang (Quelle: Schweizerische Nationalbank, 2025). Zur Debitkarte greifen Kundinnen und Kunden gut dreimal so oft, der einzelne Kreditkartenbetrag liegt dafür deutlich höher.

Für die Kreditfrage ist das aufschlussreich. Die Karte kommt hier vor allem bei grösseren Käufen und im Distanzgeschäft zum Zug, und dort entstehen die Salden, die ein Limit ausreizen können. Wer Material im Ausland bestellt oder eine längere Reise mit knappem Budget plant, rechnet zusätzlich mit dem Entgelt für Fremdwährungsumsätze. Dieses Entgelt stammt von der kartenausgebenden Stelle, den Umrechnungskurs setzt dagegen das Kartensystem — zwei Posten, die auf der Abrechnung selten getrennt erscheinen.

Ein Punkt gehört zum Thema dazu, auch wenn er auf der anderen Seite des Vertrags liegt: die Sicherheit des eigenen Guthabens. Kundengelder bei einer Schweizer Bank sind im Konkursfall bis 100’000 Franken je Kunde geschützt (Quelle: esisuisse, Einlagensicherung der Banken). Für Beträge, die auf einem Kartenprodukt eines Zahlungsdienstleisters liegen, gilt dieser Schutz nicht automatisch. Wer grössere Summen auf einer aufgeladenen Karte parkt, sollte also wissen, welches Institut dahintersteht.

Vier Schritte vor dem Antrag

Am Anfang steht ein Budget, kein Antragsformular. Einnahmen minus feste Kosten ergibt den Betrag, der monatlich für eine Rate übrig bleibt; alles darüber ist keine Finanzierung, sondern eine Verschiebung des Problems. Wer Einkommen aus mehreren Quellen bezieht, etwa aus einem Nebenerwerb neben der Hauptbeschäftigung, sollte die Belege dafür bereitlegen — schwankende Einkünfte werden vorsichtiger bewertet als ein fester Lohn.

Danach folgt die Selbstauskunft bei ZEK und IKO. Alte Einträge aus einem längst abgelösten Leasingvertrag halten sich hartnäckig, und eine Korrektur dauert länger als die Bearbeitung eines Antrags. Erst dann lohnt der Blick auf den Zinssatz und auf die Frage, ob die Kreditoption überhaupt gebraucht wird. Am Ende steht der Entscheid: Saldo künftig jeden Monat vollständig ausgleichen oder nicht.

Vier Schritte vor dem Kartenkonto mit Kreditoption1. BudgetEinnahmen minusfeste Kosten→2. AuskunftZEK und IKOselbst abfragen→3. ZinssatzHöchstsatz 12 Prozentseit Januar 2026→4. EntscheidSaldo monatlichganz ausgleichencreasphere.ch

Häufige Fragen

Wie erhalte ich Auskunft über meine eigenen Einträge?

Beide Stellen bearbeiten Selbstauskünfte auf schriftliche Anfrage mit einer Ausweiskopie. Die ZEK deckt Karten, Leasing und Kredite der angeschlossenen Institute ab, die IKO die gemeldeten Konsumkredite. Wer beide abfragt, sieht das vollständige Bild und kann fehlerhafte Einträge belegen lassen, bevor eine Bank sie abruft.

Ist eine Kreditkarte ohne Bonitätsprüfung möglich?

Bei einer Prepaid-Karte auf Guthabenbasis entfällt die Prüfung, weil kein Kredit gewährt wird. Sobald eine Limite eingeräumt wird, verlangt das Gesetz dagegen eine Prüfung der Kreditfähigkeit. Zu beachten ist der Unterschied beim Schutz des Guthabens: Eine Bankeinlage und ein Guthaben bei einem Zahlungsdienstleister werden im Konkursfall nicht gleich behandelt.

Was passiert bei einem Zahlungsrückstand auf der Karte?

Zuerst laufen Verzugszinsen und Mahnspesen auf, danach kann das Institut die Limite kürzen oder die Karte sperren. Wird der Rückstand gemeldet, landet er in den Registern und wirkt bei künftigen Anträgen nach. Eine frühzeitige Absprache mit dem Anbieter ist erfahrungsgemäss günstiger als jede Mahnung.

Gilt der Höchstzinssatz auch für Leasing und Kleinkredite?

Ja, allerdings mit einem tieferen Wert. Für Barkredite, Waren- und Dienstleistungsfinanzierungen sowie Leasing liegt die Grenze seit Anfang 2026 bei 10 Prozent, für Karten- und Überziehungskredite bei 12 Prozent. Massgebend ist die Vertragsart, nicht die Höhe des Betrags.

Fazit: erst die Auskunft, dann die Limite

Günstig wird ein Kredit selten durch Verhandlung, sondern durch Vorbereitung. Vor dem nächsten Antrag lohnen sich drei konkrete Schritte. Erstens die Selbstauskunft bei ZEK und IKO einholen und offensichtliche Fehler korrigieren lassen. Zweitens das monatlich verfügbare Budget schriftlich festhalten. Drittens die Kreditoption auf der bestehenden Karte abschalten, solange sie niemand braucht. Für die 3’000 Franken aus dem Rechenbeispiel heisst das: den Betrag im Folgemonat ganz ausgleichen und die knapp 200 Franken Zins lieber ins Material stecken.

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